Nationalhymnen

Nationalhymnen können viel über ein Land aussagen. Sie können ein Indiz für den eigenen Stolz und Überlegenheitsgefühl sein (“Deutschland, Deutschland über alles, Über alles in der Welt” – NS-Deutschland), sie können Hoffnung ausdrücken (“Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, laß uns dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland.” – DDR), sie können auch den eigenen Geburtsmythos widerspiegeln (“Zu den Waffen, Bürger! Formt Eure Schlachtreihen, Marschieren wir, marschieren wir! Bis unreines Blut unserer Äcker Furchen tränkt!”- Frankreich).

Natürlich gibt es auch Hymnen, die dann doch eher aussagelos sind (“Wilhelmus von Nassawe bin ich von teutschem blut, dem vaterland getrawe, bleib ich bis in den todt, Ein printze von Uranien bin ich frey unverfehrt, den könig von Hispanien hab ich allzeit geehrt.” – Niederlande) – oder die Hymne hat erst gar keinen Text, siehe zum Beispiel Spanien.

Die polnische Hymne wiederum ist ein Zeuge dessen, was den Leuten dieses Landes in der Vergangenheit widerfahren ist: “Noch ist Polen nicht verloren, solange wir leben. Was uns fremde Übermacht nahm, werden wir uns mit dem Säbel zurückholen.”

Dieses Motiv setzt sich in der Hymne des ehemaligen Jugoslawiens fort: “Hej Slawen, noch immer lebt das Wort unserer Vorväter. Solange für das Volk das Herz ihrer Söhne schlägt lebendig, lebendig ist der Slawengeist”.

Die Forschung sieht (laut Wikipedia) einen Zusammenhang zwischen den beiden Worten “Slawen” und “Sklaven”. Auch dies zeigt, was die Menschen in diesen Gebieten schon seit vielen Jahrhunderten ertragen mussten.

Und dieses Motiv der Unterdrückung und der Hoffnung auf ein zukünftiges Leben in Freiheit wird auch in der Hymne der Ukraine aufgenommen und passt nur allzu gut auf die aktuelle Situation:

Ruhm und Wille der Ukraine sind noch nicht tot,
das Schicksal wird uns zulächeln, junge Brüder;
unsere Feinde werden wie Tau in der Sonne zugrunde gehen,
wir, Brüder, werden im eigenen Lande herrschen.

Seele und Leib werden wir für unsere Freiheit opfern,
und wir werden zeigen, Brüder, dass wir zum Kosakengeschlecht gehören.

Brüder, stehen wir auf für eine blutige Schlacht vom San bis zum Don,
wir werden niemandem erlauben, in unserem Heimatland zu herrschen;
das Schwarze Meer wird immer noch lächeln und Großvater Dnjepr sich freuen,
unserer Ukraine wird das Schicksal wieder gnädig sein.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.